Eiskletterkurs im Sellrain

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Kletterversuche am Eiswasserfall

Mit meiner Höhenangst ist Eisklettern eigentlich das letzte, worauf ich so richtig Lust hatte. Doch in Erinnerung an unseren Aufstieg auf die Petersenspitze letzten Sommer, dachte ich mir, dass es nicht schaden könnte, den Umgang mit Eisschrauben etwas zu vertiefen. Außerdem stelle ich mich ja gern freudig meinen Ängsten, bis ich dann in der Wand hänge und mich frage, was ich mir dabei eigentlich wieder gedacht habe. Klar also dass ich sofort dabei war, als mein Bruder fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm an einem Kletterkurs im Sellrain teilzunehmen.

Treffpunkt war der Alpengasthof Lüsens, in dem wir auch von Samstag auf Sonntag übernachten sollten, denn er ist der perfekte Ausgangspunkt, um morgens möglichst schnell zu den heiß begehrten Eiswasserfällen des Tales zu gelangen und sich eine der oft überlaufenen Anfängerrouten zu sichern. Dort wartet schon unser Bergführer Thomas Schiller auf uns, der uns an diesem Wochenende den Umgang mit dem Eis näher bringen wird.

Der Zustieg führt ein kleines Stück an der Loipe entlang und anschließend links durch tiefen Schnee zu den schattigen Nordwestwänden des Sellraintales. Hier sehen wir schon, wie die Gruppen wie fleißige Ameisenkolonien im Eis hängen.
Als wir uns dem Wasserfall nähern, setzen wir unsere Kletterhelme auf, um nicht von herabfallenden, teilweise grapefruitgroßen Eisbrocken am Kopf getroffen zu werden. Die gibt es nämlich nicht zu knapp. Ein bisschen fühlen wir uns, wie im Krieg, wenn wir uns beim Warnruf "Eis!" regelmäßig auf den Boden werfen.

Am ersten Tag steigt Thomas vor und wir dürfen erst einmal an einer leichten Route Toprope klettern. Als ich meine erste Route klettere, zittere ich ein wenig. Mit den Eisgeräten am blanken Eis zu hängen und darauf zu vertrauen, dass Eis, Pickel und die eigene Muskelkraft mich halten, ist ungewohnt und herausfordernd.

Während die Route von unten betrachtet sehr einfach aussieht, glaubt man plötzlich am vertikalen Eis zu hängen, wenn man drin ist. Hinzu kommt, dass meine um die Eisgeräte gekrallten Hände immer kälter werden. Nach einiger Zeit habe ich gar kein Gefühl mehr in den Fingern und breche ab. Als ich später, nach ein paar Schlücken Tee, wieder in die Route starte, geht es aber schon viel leichter und mit jedem Versuch merke ich, wie ich mich mehr und mehr an die Bewegungen und die Höhe gewöhne.

Nach einem guten, mehrgängigen Abendessen und einer erholsamen Nacht im Alpengasthof Lüsens, geht es am nächsten Tag schon etwas früher los, damit wir vor den von außen anreisenden Kletterfans zum Wasserfall ankommen. Heute lernen wir noch einmal, wie man eine Eisschraube richtig setzt - mit einer Hand und im Eis hängend, versteht sich - und wie man mit zwei Eisschrauben einen stabilen Stand baut.

Anschließend können wir den Vorstieg üben oder uns im Klettern mit nur einem Eispickel versuchen. Ich entschließe mich jedoch, erst einmal meine Standard-Klettertechnik zu optimieren, die mir immer noch sehr viel Konzentration abverlangt.

Fazit: Den ganzen Tag im schattigen Eis zu hängen wird sicher nicht meine alpine Lieblingsdisziplin werden. Es ist jedoch eine tolle Erfahrung und ein gutes Training, um sich auf kombinierte Hochtouren vorzubereiten.